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Unser Besuch im Kinder Care Home Tanuku / Südindien 14.02.05 – 21.02.05 / Wolfgang Schneider und Nicole Weber Reisebericht Indien (2005) Reiseziel: Besuch des “Kinder Care Home“ in Tanuku (Südostindien), das unser Unternehmen in Form von Patenschaften unterstützt, sowie eines Zentrums zur täglichen Betreuung von behinderten Kindern in Palamaner. Dieses wurde auch von der Aktionsgruppe “Kinder in Not“ gegründet. Begleitet werden wir, das heißt ich und Nicole, von zwei jungen Männern (Thomas und Hann), die für einen Zeitraum von 4-6 Wochen für eine Art Praktikum in Tanuku bleiben werden. 14.Feb.05: Um 14:30H beginnt unsere Reise ab Frankfurt. Wir fliegen über Dubai nach Hyderabad. In unserem etwa 200 Kg schweren Gepäck haben wir vor allem Geschenke, aber auch Arbeitsmaterial für den Schulunterricht und Werkzeuge. 15.Feb.05: Um 08:30H kommen wir in Hyderabad an und werden nur kurze Zeit später von Amitha (die mit ihrem Mann, George CSA Trust leitet) herzlich in Empfang genommen. Erst am Abend fliegen wir mit einer kleinen Maschine weiter nach Vijayawada. Nach einer etwa 2-stündigen Autofahrt treffen wir endlich gegen 21:00H in Tanuku ein. Die etwa 80 Heimkinder warten schon seit Stunden auf unsere Ankunft. Voller Begeisterung werden wir mit Tanz und Gesang empfangen. Erschöpft fallen wir gegen 23:00H ins Bett. 16.Feb.05: Bereits um 05:00H stehen die Kinder auf. Mit Interesse beobachte ich (W. Schneider) das morgendliche Ritual. Es wird sich gewaschen, Sportübungen betrieben, gelernt, gespielt und gefrühstückt. Gegen 08:30H treffen auch die externen Schüler ein (etwa 270 Kinder) und der morgendlich Appell wird abgehalten. Hier werden wir noch einmal offiziell begrüßt. Nun beginnt der Unterricht. Die Kinder werden hier bis zum Ende der Highschool unterrichtet. Bereits die 4- bis 5-jährigen Kindergartenkinder erlernen das Lesen und Schreiben von Buchstaben und Zahlen bis zu 100, teilweise sogar schon das kleine 1x1. Ab der ersten Klasse beginnt unter anderem der Unterricht in der Fremdsprache Englisch, der Amtssprache Hindu, der Gebietssprache Teluku. Alle Kinder sind äußerst lernwillig und im Gegensatz zu deutschen Schulen herrscht während des Unterrichts, ohne große Einwirkung des Lehrers, Ruhe und äußerste Disziplin. Die meisten Kinder sind Waisen oder Halbwaisen. Die Eltern, soweit vorhanden, arbeiten größtenteils als Landarbeiter und können sich kaum die tägliche Nahrung leisten geschweige denn eine Ausbildung für ihre Kinder. Am frühen Nachmittag fahren wir in die Stadt. Die Suche nach Sandalen für mich stellt kein Problem dar, aber bei den westlichen Zigaretten stoßen wir auf das Unmögliche. Tja, da muß ich mich wohl mit den indischen Zigaretten zufrieden geben (oder aufhören?)!!! Auch das hauseigene Reisfeld besuchen wir. Wir verbringen noch einige Zeit mit den Kindern. Am Abend führen sie wieder Tänze und Gesänge vor. Wir sind erstaunt über das große Repertoire und man sieht den Kinder an, dass es ihnen viel Spaß bereitet. 17.Feb.05: Wieder bin ich um 05:00H wach, Die anderen schlafen natürlich noch!!! Das morgendliche Ritual wird durchlaufen. Nach Schulbeginn fahren wir alle mit Amitha an die Küste. Diesen Ort hatten wir bereits vor einem Jahr besucht, damals allerdings mit den Kindern (Picknick und Schwimmen). Wir sind gespannt welche Auswirkungen der Tsunami hatte. Gibt es die Gebäude noch? Sind Menschen zu Schaden gekommen? Nach einer etwa 2-stündigen Fahrt erreichen wir den uns bekannten Palmenhain. An den festen Gebäuden ist kein Schaden zu erkennen, nur die damaligen Strandhütten existieren nicht mehr. Neue wurden aber bereits gebaut, unter anderem auch die einer Mutter und ihrer 11-jährigen Tochter, die ich bereits im Vorjahr kennen gelernt habe. Glücklich darüber, dass ihr nichts zugestoßen ist (sie war einer der Hauptgründe, warum ich dort hin wollte), verbringen wir einige Stunden an Ihrem Stand. Ungern nimmt sie ein Trinkgeld an, freut sich aber dann doch darüber (es waren umgerechnet 10 Euro), denn der Unterhalt ist damit für die nächsten 2 Monate gesichert. Nach einem Rundgang am kilometerlangen Strand und einigen Gesprächen mit Anwohnern erfahren wir auch, dass dort niemand größer zu Schaden gekommen ist. Erleichtert machen wir uns auf den Heimweg durch eine zwar sehr ärmliche aber wunderschöne Gegend. Gegen 17:00H treffen wir wieder in Tanuku ein. Ich, total verdreckt, komme auf die geistreiche Idee, zusammen mit den Kindern (Jungs) zu baden. Dass das so einen Spaß bringen würde, hatte auch ich nicht gedacht. Zwar trauen sich die Kinder noch nicht, sich mit mir in die wassergefüllte Betonwanne zu setzen (was sich an den folgenden Abenden ändern sollte), aber sie quietschen und schreien vor Begeisterung, als wir uns gegenseitig nassspritzen. Nach dem Essen vergnügen wir uns und mit den Kindern mit “Gesellschaftsspielen“. Die Kinder zeigen auch hier ein großes Improvisationsvermögen. Spielbretter wie Mühle, Schach, Tic Tac To etc. werden einfach auf den Boden gemalt, Steine und andere Naturmaterialien dienen als Spielfiguren. Auch indische Spiele werden gespielt, bei denen wir allerdings kläglich versagen. Währenddessen bereiten die Lehrer einiges für das Fest am nächsten Tag vor. Alle tragen bereits die von uns mitgebrachten Namensschilder. Wer soll sich die ganzen Namen MERKEN, teilweise fällt es schon schwer, sie nur auszusprechen ?!?!?!?! Die Kinder führen wieder Gesänge und Tänze auf! Wir nutzen die Gelegenheit, um die mitgebrachten Geschenke an die Heimkinder und Lehrer zu verteilen. Die Mädchen bekommen kleine Schmuckstücke, Haarbänder und Bastelmaterial, die Jungs kleine Modellautos. Die Gruppengeschenke übergeben wir stellvertretend an ausgewählte Lehrer (Kindergarten > Knete // Mädchen > Puppen // Jungs > Lego). Wieder fallen wir erschöpft ins Bett. 18.Feb.05: PARTYTAG !!!!! Heute fällte mit Absprache der Lehrerschaft die Schule zu unseren Ehren aus. Die Vorbereitungen beginnen schon um 04:30H. Gegen die Hitze werden große Zelte aufgebaut und die extra für diesen Tag angeheuerten Köche und deren Helfer sind mit stundenlangem Schnipseln beschäftigt. Auch haben wir Kanevalsschminke mitgebracht. Bereits ab 06:00H bemalen wir (ich, Nicole, Amitha, Thomas und Hann) die begeisterten Kinder damit. Nach dem Frühstück treffen auch die externen Schüler ein und das lang ersehnte Fest kann beginnen. Die Kinder sind total aufgeregt und voller Elan. Die Zeit verfliegt geradezu mit den Spielen, Gesängen und stundenlangen Tänzen. Alle machen mit, selbst die Lehrer. Nach dem ausgiebigen Mittagessen geht es trotz Hitze und Staub genauso Energie geladen weiter. Es ist faszinierend, wunderschön und begeisternd!!!! Wir sind uns einig, dass wir so etwas noch nie erlebt haben! Abschließend, gegen 16:00H, kommt noch der Eisverkäufer und jedes Kind genießt die Abkühlung. Für die Kinder, die nicht im Heim wohnen ist es nun an der Zeit, nach Hause zu gehen. Heute genieße ich erst recht das Bad mit den Jungs. Nach dem Essen wird wieder gespielt. Wir führen noch die Filme vom letzten und vorletzten Jahr vor. Ach, wie gerne würde ich die Kinder verstehen können!!! 19.Feb.05: LETZTER UND TRAURIGSTER TAG !!! Heute dürfen die Kinder eine Stunde länger schlafen, was mir schon sehr komisch vorkommt, da ich wieder seit 05:00H wach bin. Wir müssen packen. Auch versuchen wir noch ein wenig zu relaxen. Die Kinder haben heute nur einen halben Tag Schule (Kindergartenkinder haben Samstags frei). Nach Schulschluss nehme ich die Gelegenheit wahr und bringe etwa 25 Kinder persönlich nach Hause, die in verschiedenen Hütten unter ärmlichsten Verhältnissen leben. Nun verbringen wir noch so viel Zeit wie möglich mit den Kindern und das letzte Bad mit den Jungs ist angesagt. Gegen 18:00H beginnt der große Abschied. Etwa eine Stunde später, kurz bevor wir ins Auto steigen, erfahren wir, dass der Zug eine Stunde Verspätung hat. Wir schauen mit den Kindern noch ein wenig fern und dann beginnt das ganze “Drama“ von vorne. Die Kinder überschütten und mit Küssen und Umarmungen, auch Tränen fließen und wir schaffen es nur mit Mühe, das Auto zu erreichen. Wie beneiden wir Hann und Thomas, dass sie noch bleiben dürfen!!! Am Bahnhof angekommen müssen wir feststellen, dass der Zug noch eine weitere Stunde Verspätung hat. Mit dem Nachtzug geht es nun auf eine etwas 12-stündige Fahrt von Tanuku nach Chittoor. Das Abteil ist reserviert und wir sind über den positiven Zustand überrascht. 20.Feb.05: Wir schlafen einige Stunden im Zug. Gegen 05:00H sind Amitha und ich wach. Nicole scheint das Schaukeln zu gefallen, denn sie schlummert seelenruhig weiter. Amitha und ich dahingegen öffnen die Wagontür und ich mache stundenlange Fotoaufnahmen vom Sonnenaufgang und der Umgebung. Die Landschaft ist abwechselungsreich, von fruchtbaren Gegenden bis ausgetrockneten Felder. Wir sehen Berge, gewaltige Felslandschaften aber auch von Menschen überfüllte Bahnhöfe und Städte. Mit einer Verspätung von 3 Stunden treffen wir um 10:00H in Chittoor ein. Dort warten schon seit 06:00H einige Mitarbeiter von CSA auf uns. Nach der herzlichen Begrüßung machen wir uns auf den Weg nach Palamaner. Die Landschaft ist hier sehr trocken. Es hat seit 6 Jahren nicht mehr geregnet. Auch der Menschenschlag ist ein ganz anderer. Um 12:00H erreichen wir das CSA Education Center und machen eine kurze Rast. Wir werden gebeten um 13:00H die im Zusammenhang mit dem Frauenprojekt stehenden Darlehen von jeweils 100 EUR an 37 Frauen zu übergeben. Hierbei handelt es sich um Menschen aus der untersten Kaste, den sog. “Untouchables“, die im Prinzip von der Gesellschaft ausgestoßen werden. CSA hat sich zum Ziel gesetzt vor allem diesen Menschen zu helfen. In diesem Projekt nun erhalten Frauen (meistens mit 1-3 Kindern aber ohne Ehemann) ein Darlehen in Höhe von jeweils 100 EUR. Hiervon kaufen sie sich z. B. ein Kalb, dessen Milch sie später verkaufen können. Das Darlehen wird dann langsam wieder abbezahlt. Es funktioniert wie ein Schneeballsystem. Die abbezahlten Darlehen werden dann wieder an andere Frauen weitergegeben. Um 15:00H machen wir uns auf den Weg zu sehr abgelegenen Dörfern um die sich CSA kümmert. Hier gibt es weder Strom noch fließendes Wasser. Auch können die Kinder nicht zur Schule gehen, zum einen aus Geldmangel, zum anderen sind die Schulen zu weit entfernt. Wir erreichen das erste Dorf. Es ist ein Schock. Wir schauen uns die Hütten an und sind entsetzt wie man unter solchen Bedingung leben kann. Trotz allem lachen sie und begrüßen uns herzlich. In der Ecke einer Hütte sitzt ein Kind. Ich setzte mich neben sie und stelle fest, dass sie blind ist. Sie ist elf Jahre alt und erst mit etwa 8 Jahren verlor sie ihr Augenlicht. Man serviert uns Bananen und Tee. Ich füttere das Kind und erfahre von George, dass sie für das Mädchen bereits einen Termin im Krankenhaus für spezielle Untersuchungen arrangiert haben. Ich entschließe mich spontan, die Kosten für einen eventuellen operativen Eingriff persönlich zu übernehmen. Das nächste Dorf unterscheidet sich nicht sehr vom ersten, nur sind sie vom Platz er noch beengter, da die Siedlung von Ländereinen umgeben ist, die anderen Farmern gehören. CSA plant unter anderem, diese Familien umzusiedeln, um ihnen ein menschenwürdigeres Leben zu ermöglichen. Natürlich fehlt an allen Ecken und Enden Geld. Die Umsiedlung z. B. von 25 Familien (ca. 100 Personen) kostet etwa 20.000 EUR. Man kann sich vorstellen, dass jeder Euro wichtig ist. 21.Feb.05: Heute ist der Tag der Abreise. Wir starten um 07:00H mit dem Bus, um einen Teil der behinderten Kinder in den abgelegenen Dörfern abzuholen. Nach etwa 2 Stunden haben wir insgesamt 17 Kinder “eingesammelt“. Sie haben die verschiedensten Behinderungen, z. B. Taubstummheit, Blindheit, Daunsyndrom, mentale und Körperliche Störungen. Ein zweiter Bus holt die restlichen Kinder ab. Die Gebäude sind sehr freundlich, hell und behindertengerecht. Es ist toll was dort mit der finanziellen Unterstützung der Aktionsgruppe “Kinder in Not“ geschaffen wurde. Es war ein wenig erschreckend aber auch erfreulich sich das alles anzuschauen. Es ist wunderbar zu sehen, wie wohl sich die Kinder mit teilweise schwersten Behinderungen fühlen und wie liebevoll und einfühlsam das junge und kreative Team mit ihnen umgeht. Wir machen einen Rundgang durch die verschiedenen Klassenzimmer und sind überrascht über die Aufnahmefähigkeit der Kinder, die ohne diese Einrichtung keinerlei Chance hätten. Viele wurden vorher wie Tiere gehalten, da die Eltern nicht mit ihnen umzugehen wussten. Es werden diverse Therapien durchgeführt, oftmals mit den einfachsten Mitteln, trotz allem aber sehr wirkungsvoll. Amitha erzählt uns, dass am Anfang kaum ein Lächeln auf den Gesichtern der Kinder zu sehen war. Schaut man nun in die Runde kann man es sich kaum mehr vorstellen. Die meisten Kinder sind ausgelassen und wirken glücklich und zufrieden. Am Nachmittag verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg nach Bangalore mit Amitha und George. Dort besuchen wir sie noch in ihrem CSA Büro und diskutieren Ideen über zukünftige Projekte. Weiteres hierzu erfahren sie in kürze auf unserer Homepage. Diese Reise hat so nachhaltige Eindrücke bei uns hinterlassen, dass wir uns entschlossen haben, diese Projekte in Zukunft so weit wie möglich zu unterstützen. Bitte helfen Sie uns dabei durch projektbezogene Spenden!!!
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