Tanuku / Palamaner – Indien 2005Ein Erfahrungsbericht von Thomas Schäfer und Hann RuppertAm 14.02.2005 beginnt unsere Reise nach Indien im Auftrag der OBC Service GmbH in Frankfurt. Das internationale Kurierdienstunternehmen OBC Service GmbH sponsert bereits seit 3 Jahren ein Kinderheim in Tanuku, Andhra Pradesh in Indien. Beim diesjährigen Besuch des Heims bekamen wir die Chance Einblicke in das Leben, den Alltag der Kinder im Heim zu bekommen. Geplant war ein 4-6 wöchiger Aufenthalt im Kinderheim. Während dieser Zeit sollte hauptsächlich ein kultureller Austausch stattfinden, außerdem standen diverse Kleinreparaturen an, wofür wir in umfassendem Maße Werkzeuge und Teile mitbrachten. Ebenso war es unsere Aufgabe, den von T-Systems gespendeten Computer internetfähig, und sowohl Lehrern und Schülern die Benutzung zugänglich zu machen. Tatsächlich wussten wir jedoch nicht im Geringsten, was tatsächlich auf uns zukam. Indien ist anders. Anders als man sich es vorstellt – egal, wie man es sich vorstellt. Unsere Reise beginnt mit dem Flug von Frankfurt nach Dubai, der etwa sechs Stunden dauert. Nach vier Stunden Aufenthalt in Dubai, fliegen wir abends weiter nach Hyderabad, die Landeshauptstadt des Bundesstaates Andhra Pradesh. Mit der Ankunft am internationalen Flughafen in Hyderabad wurden unsere Vorstellungen eines internationalen Flughafen zunächst über den Haufen geworfen. Überhaupt verloren wir jegliches Gefühl für Ordnung, Struktur und Normalität. Es ist eben alles ein wenig chaotischer. Dieser Eindruck bestätigte sich ebenfalls auf der Fahrt zu unserem Tageshotel. Ein bemerkenswerter Faktor ist der Verkehr, der sich grundsätzlich von dem auf deutschen Straßen unterscheidet. Die wohl einzige Verkehrsregel beherrscht jeder – die Hupe. Selbst der Linksverkehr hat nur beiläufige Bedeutung. Letztendlich bestimmt die Größe des Autos und die Aggressivität des Fahrers die Vorfahrt und wer wann welche Spur benutzt. Wir jedenfalls haben uns im Taxi gefühlt wie in einem schnellen Schüttelbecher. Nebenbei erwähnt: Die Straße wird hier nicht nur von zusammengeflickten, überladenen Vehikeln jeder Art, sondern auch von Hunden, Kühen und zahllosen Fußgängern benutzt. Beim gemeinsamen Mittagessen mit Amitha, der Projektleiterin von CSAT (Centre for Social Action Trust), erfahren wir das erstemal aus erster Hand vieles über das (noch) sehr geheimnisvolle Indien. Abends fliegen wir mit einem Inlandsflug (Turboprop Propellermaschine) von Hyderabad nach Vijayawada. Während der darauffolgenden Fahrt von Vijayawada nach Tanuku kommen wir nochmals in den Genuss des indischen Verkehrs. Spät abends werden wir im Kinderheim in Tanuku herzlichst in Empfang genommen und mit Gesang und Tanzeinlagen von Seiten der Kinder begrüßt. Bemerkenswert ist die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit die uns ab dem ersten Moment an entgegengebracht wird. Die folgenden 5 Tage werden wir in Begleitung von Herr Schneider, Nicole und Amitha verbringen. Anschließend werden wir, nach deren Abreise nach Palamaner, auf uns allein gestellt sein. In Palamaner betreut Amitha (CSAT) eine Schule für behinderte Kinder. Auch dieses Projekt will Sie Herrn Schneider vorstellen.
Die erste Woche (15.02. – 19.02.2005) Im Mittelpunkt unserer ersten Woche stand die Vorbereitung auf den geplanten Funday. Hierbei handelt es sich um einen freien Tag für Kinder und Lehrer, an dem der Spaß im Vordergrund stehen sollte. Mittwochs, am ersten Tag, bekommen wir einen warmen Empfang. Zu diesem Zweck hüllt man uns bei heißem Sonnenschein in warme Schals. Dies geschieht bei dem morgendlichen Appell, bei dem auch alle Kinder anwesend sind. Nachmittags besichtigen wir die Farm des Kinderheims in unmittelbarer Umgebung. Mit dem Anbau von eigenem Reis wird der Reisbedarf des Kinderheims kostengünstig sichergestellt. Außerdem können Sie auch noch einen Teil des Ertrags verkaufen. Außerdem werden noch einige Bananen und Kokosnüsse für den eigenen Bedarf angebaut, von denen man uns reichlich anbietet. Donnerstags besuchen wir einen vom Tsunami in Mitleidenschaft gezogenen Strand. Viele Hütten in Wassernähe wurden schlichtweg weggewaschen, obwohl der Tsunami hier nicht mit voller Wucht hereinbrach, sondern das Wasser lediglich stieg und sank. Auf der Hin- und Rückfahrt (jeweils zwei Stunden) kamen wir durch viele ländliche Gebiete abseits größerer Dörfer. In diesen trotzdem dicht bevölkerten Gebieten muss das Leben offensichtlich mit sehr einfachen Mitteln gemeistert werden. So wurden zum Beispiel Büffel und Kleidung im gleichen Fluss gewaschen, der auch gleichzeitig als Trinkwasserversorgung dient. Viele Leute versuchen mit dem Verkauf von einfachen Dingen den täglichen Kampf ums Überleben zu gewinnen. Zum Beispiel wollte uns eine Frau am Strand eine Hand voll großer, selbstgepflückter Palmenfrüchte für einen Rupie (entspricht 1,5 cent) verkaufen. Offensichtlich ist dies die einzige Einnahmequelle der Frau. Zurück im Heim müssen wir uns erst einmal mehreren sportlichen Herausforderungen der Jungen stellen. Immerhin war dies ein Schritt zur Annäherung an die Schulkinder. Der Haken daran war, dass wir nun öfter diesen Herausforderungen gestellt werden sollten. Von nun an sollten wir fast täglich in den Genuss kommen mit den Jungs Liegestützen, Klimmzüge, Weitsprung etc. zu trainieren. Das Highlight unseres Besuchs fand schon am dritten Tag statt. An diesem Tag fiel die Schule aus, Lehrer und Personal hatten ebenfalls frei. Amitha organisierte einen Catering-Service der indischen Art. Zu diesem Zwecke kamen ca. zehn Frauen die auf dem Boden des Sportplatzes ein Menu zubereiteten das 400 Leute sättigte. Der Tagesablauf war geprägt von Spielen, die die Lehrer organisierten, sportlichen Aktivitäten, Tänzen, Theatervorführungen und fröhlichem Beisammensein. Viele Kinder nutzten die freie Zeit um uns über alles zu fragen was ihnen in den Sinn kam. Und auch wir nutzten diesen Tag um uns eingehender mit den Kindern zu beschäftigen. Als es gegen Abend Eis für alle Kinder gab war eindeutig klar, dass dieser Tag ein besonderer Tag für alle Beteiligten war. Schon heute fallen uns grundlegende Unterschiede der Jungs und Mädels im Umgang mit uns auf. So sind die Jungs oft am Kräftemessen interessiert und wollen oft ihre eigene Person in den Vordergrund stellen, während die Mädels sehr an einer echten Konversation und damit an unserer Person, nicht an unseren Kräften interessiert sind. Deshalb ist der Umgang mit den Jungs wesentlich anstrengender. Bei Herr Schneiders Abschied am Samstag wurde der Ablauf unseres weiteren Aufenthalts besprochen. Es wurde geplant, dass wir uns in das tägliche Leben integrieren und verschiedene Aufgaben mit übernehmen. Herr Schneider übergibt außerdem Hardware für den Computer und zwei Werkzeugkoffer an die Schule. Mit der Abreise von Amitha, Nicole und Herr Schneider am Samstagabend endet unsere gemeinsame Zeit. Von nun an sind wir auf uns alleine gestellt.
Die zweite Woche (20.02. – 27.02.2005) Diese Woche ist geprägt von intensiverer Beschäftigung mit den Kindern und vielen Gesprächen mit den Lehrern. Durch den engeren Kontakt mit den Menschen im Heim entsteht schnell ein gutes Verhältnis, außerdem bekommen wir dadurch viel von deren Leben, ihrer Tradition und nicht zuletzt ihrer Sprache mit. In dieser Zeit lernen wir viele Vokabeln und Redewendungen in Telegu (der Landessprache in Andhra Pradesh). Da wir mit den Kindern viele indische Spiele wie zum Beispiel das traditionelle Stonegame oder Kurumba (Karomm) spielen, wollen wir ihnen auch ein deutsches Spiel näher bringen und zeichnen daher ein Mensch Ärger Dich Nicht Brett, was sehr gut ankommt. Außerdem beginnen wir einige kleine Arbeiten zu übernehmen. So ölen wir zum Beispiel den Riegel vom Haupttor und richten eine Internetverbindung an dem besagten Computer ein und erstellen einige Listen über ein „Tsunami-Opfer-Hilfsprojekt“. Unsere freie Zeit nutzen wir nun auch des Öfteren um Ausflüge ins Town zu machen und einige Besorgungen zu erledigen. Dabei fällt uns wieder auf, dass die Kinder in dem Heim sehr behütet aufwachsen, und außerhalb der „schützenden Mauern“ eine andere Welt herrscht. Neben dem erwähnten Verkehr versinkt die Landschaft in Müllbergen, außerdem gibt es eine offenliegende Kanalisation, über die alles entsorgt wird. Oft werden sich der großen und kleinen menschlichen Bedürfnisse an Ort und Stelle entledigt, sei es am National Highway oder in einer Fußgängerzone. Der daraus resultierende Geruch ist bei 45° im Schatten nur schwer vorstellbar. Am Ende der Woche folgten wir an zwei Tagen der Einladung in das örtliche Sägewerk, wo wir auch selbst Hand anlegen durften. Der Besitzer frischte bei dieser Gelegenheit seine weltpolitischen Kenntnisse auf und weiß nun, dass West- und Ostdeutschland wiedervereint sind. Wir erfahren diese Woche von dem Rattenproblem in der Schulküche und versuchen ein paar Rattenfallen zu organisieren. Auch die Kakerlaken sind uns nicht entgangen.
Die dritte Woche (28.02. – 06.03.2005) Uns hat´s erwischt. Die nächsten Tage krabbeln wir angeschlagen herum, da wir von Fieber und Durchfall geplagt sind. Außerdem haben wir uns juckende Bläschen an den Händen eingefangen. Zum Glück werden wir hinreichend versorgt und gepflegt, so dass wir es schnell wieder in den Griff kriegen. In einer E-Mail von Herr Schneider haben wir mehr über die CSAT-Projekte in Palamaner erfahren und haben uns deshalb entschieden ebenso dorthin zu reisen. Im Laufe der Woche klären wir dies mit Amitha ab und buchen die Zugtickets. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass das indische Essen, welches wir in der Schule genossen haben, überragend gut ist. Das indische Essen wird aus viel mehr Zutaten zubereitet und mit zahlreichen Gewürzen gewürzt. In diesem Zusammenhang wollten wir auch mal die deutsche „Kochkunst“ zum Besten geben, und haben mit unseren Bratkartoffeln einen echten Flop gelandet. Nicht nur, dass sie uns in den tiefen indischen Töpfen nicht gelungen sind, es kam noch erschwerend hinzu, dass Inder von Kartoffeln als Hauptnahrungsmittel Gelenkschmerzen bekommen. In Indien werden Kartoffeln lediglich als Zugabe in Saucen genutzt. Auch diese Woche haben wir wieder diverse Tätigkeiten durchgeführt, so haben wir einigen Schülern den Computer etwas gezeigt, haben die Verkleidung des Heimeigenen Rollers wieder richtig angebracht, eine vom Wasser aufgequollene Badtür verkleinert und einen Wasserhahn auf der Jungentoilette ausgetauscht. Auch haben wir an mehreren Unterrichtsstunden teilgenommen und uns bereiterklärt in der kommenden Woche selbst ein paar Stunden zu halten. Sonntags haben wir mit den Mädchen getrocknetes Kokosmark geschnitten und damit für die Weiterverarbeitung zu Kokosnussöl vorbereitet. Der sportliche Aspekt kam auch diese Woche nicht zu kurz, darauf haben die Jungen geachtet.
Die vierte Woche (07.03. – 11.03.2005) In unserer letzten Woche (die Abreise ist für Freitag angesetzt) haben wir uns verstärkt dem Schulunterricht gewidmet. So haben wir einmal einen spontanen Englischunterricht gehalten aber auch 3 weitere Stunden mit Vorbereitung gehalten. Die Lehrer waren sehr an der Deutschen Unterrichtsmethodik interessiert, weshalb unser Unterricht immer gut besucht war. Der grundlegendste Unterschied zwischen unserer und der indischen Methodik ist, dass die Klassen auf Fragen des Lehrers geschlossen antworten. Deshalb hatten wir einige Mühe ihnen das „Melden-und-drannehm-Prinzip“ nahe zu bringen. Wir halten in dieser Woche zwei Englisch- und eine Mathestunde in der siebten und achten Klasse. Dabei sprechen wir über „Migrating Birds“, eine Kurzgeschichte über einen Menschenfressenden Tiger und in Mathe über Dreiecksgeometrie. Nach der Schule geben wir dem einzigen mit dem PC vertrauten Lehrer etwas Nachhilfe im Benutzen des Computers. Dabei erstellen wir einige Tutorials über verschiedene Bereiche die wir ihm erklären und Übergeben. In unserer gesamten Aufenthaltszeit sitzen wir abends oft mit den Kindern beisammen und singen Lieder mit Gitarrenbegleitung oder sehen uns ihre Tänze an. Am letzten Abend hat das ganze zu einem Konzert ausgeartet. Außerdem haben wir eine spontane und etwas gezwungene Ansprache gehalten. Dabei wurden uns auch viele Versprechen abgenommen die unsere Wiederkehr sichern. Am letzten Tag werden wir etwas zu spektakulär verabschiedet. Möglicherweise liegt es daran, dass man an diesem Tag gleichzeitig den Geburtstag der Hauptsponsorin des Heims, Frau Wirtgen, in ihrer Abwesenheit vorfeiert. Die Zeremonie war gut gemeint aber kam uns für unsere Verhältnisse zu gezwungen vor. Nichts desto trotz haben wir uns herzlichst von allen verabschiedet um die Nachtzugfahrt nach Palamaner anzutreten.
Aufenthalt in Palamaner (12.03. – 16.03.2005) In der Gegend um Palamaner (im Süden von Andhra Pradesh) befindet sich das Haupt-Aktionsgebiet von CSAT. In unserer kurzen Zeit haben wir einige der größten Projekte gezeigt bekommen. Das größte Projekt in Palamaner ist die Schule für körperlich und geistig behinderte Kinder, die aus dem nahen Umkreis viele behinderte Kinder aufnimmt. An den ersten beiden schulfreien Tagen (Samstag und Sonntag) bekommen wir drei Dörfer gezeigt um deren Einwohner sich das CSAT-Team kümmert. Bei den Dörfern handelt es sich um Dörfer von Tribals und Untouchables (unterste Kaste). Die Anblicke die wir in diesen Dörfern erlebten, kannten wir bis dahin nur aus Fernsehreportagen über Afrika. Die Dorfbewohner hatten oft nichts, bis auf die Kleider am Leib, keine Trinkwasserversorgung, keine geschlossenen Häuser (Schlangen und Regenwasser können ungehindert eindringen) und ein wenig Essen. Erst durch CSAT wird es den Kindern dort ermöglicht ein wenig Bildung und regelmäßiges Essen zu bekommen, da Sie vorher weder die Mittel noch die Kleider für regelmäßige Schulbesuche hatten. Was wir hier erwähnen wollen ist unser Eindruck den wir gewonnen haben. Wir haben gesehen, dass die Arbeit des CSAT auf jeden Fall an der richtigen Stelle platziert ist. Die Devise heißt: Den Ärmsten der Armen Hilfe zur Selbsthilfe geben. Am Anfang der nächsten Woche haben wir an drei Tagen die Schule für behinderte Kinder besucht. Dabei haben wir zunächst einen der Fahrer auf seiner morgendlichen Tour zu den Kindern begleitet. Die zwei Fahrer fahren täglich je zwei Touren auf denen Sie die Kinder auch aus entlegenen Dörfern abholen. Der Unterricht ist weniger durch das fachliche als durch spielerisches Lernen verschiedener Tätigkeiten geprägt. So werden mit den Kindern verschiedene simple Tätigkeiten eingeübt, die ihnen später zu einem Job verhelfen sollen. Es werden Kerzen gezogen und Bilder gestickt, die dann im Schuleigenen Laden verkauft werden. Am Mittwoch fahren wir nach Bangalore, von wo aus wir unseren Abflug antreten.
Abschließendes FazitDa es den Rahmen gesprengt hätte jedes Detail in unserem Bericht zu erwähnen, haben wir uns in unserem Erlebnisbericht mehr oder weniger auf den chronologischen Ablauf beschränkt. Abschließend möchten wir deswegen an dieser Stelle über unsere Erfahrungen und Eindrücke sprechen, die uns nachhaltig geprägt haben. Da ist zunächst das indische Heiratsprinzip, das uns bis zum Ende unverständlich blieb. Ein Junge ist für eine Familie rentabler als ein Mädchen, unter anderem deshalb, da eine Familie für die Verheiratung eines Jungen eine große Mitgift bekommt. Ein Junge bedeutet Altersvorsorge. Für ein Mädchen muss die Familie hingegen je nach Kaste, Hautfarbe, Aussehen zwischen 2000 und 6000 € an die Familie des Bräutigams zahlen, was in Indien eine horrende Summe ist. Um diese Summe aufbringen zu können arbeiten viele Eltern eines Mädchens ein Leben lang. Viele Mädchen werden bereits bei der Geburt ausgesetzt oder ermordet. Viele Väter von mehreren Töchtern verlassen ihre Familie deshalb. Dadurch kam es auch, dass wir die Töchter einer Frau zur Heirat oder zum Mitnehmen nach Deutschland angeboten bekamen. Das Familienleben ist in Indien ist von der Alleinherrschaft des Vaters geprägt. Selbst wenn die Frau die Familie finanziell versorgt ist es der Mann der das Sagen hat. Außerdem wird der Kontakt zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit gemieden. Selbst ein Händeschütteln mit einer indischen Frau kann schon anrüchig wirken. Ein Kuss wird oft schon als Sex gewertet. Deshalb, glauben wir, sind die indischen Frauen oft eingeschüchtert und zurückhaltend. Außerdem erwähnenswert ist das Kastensystem das bereits seit 4000 Jahren vorherrscht. Dieses ist von Seiten der Regierung mittlerweile verboten, aber existiert in den Köpfen der Bevölkerung weiter. Viele berufliche Karrieren hängen noch heute davon ab und viele Hochzeiten finden nach wie vor nur Kastenintern statt. Paradoxerweise spielt in Indien die Hautfarbe eine große Rolle. Obwohl der größte Teil der Bevölkerung dunkelhäutig ist, gilt Hellhäutigkeit als gängiges Schönheitsideal. Dies nicht zuletzt, da eben dies durch die indische Filmindustrie suggeriert wird. Auch bei Hochzeiten ist die Hautfarbe ein wichtiges (und preisliches) Auswahlkriterium. An dieser Stelle wollen wir auch noch mal erwähnen, dass CSAT exakt an diesen Punkten ansetzt um oberflächliche Vorurteile durch Bildung abzubauen. Deshalb versuchen Sie möglichst vielen armen Menschen Bildung zugänglich zu machen. Trotz oder gerade wegen der riesigen kulturellen Unterschiede waren der Großteil der Personen die wir getroffen haben sehr interessiert an Kontakt, und waren außerdem sehr freundlich und offen zu uns. Nach allem was wir gesehen haben, speziell den sozialen Missständen, können wir nur darüber lachen wenn in Deutschland, dieser abgesicherten Oase, über steigende Spritpreise geflucht wird. Wir sind froh diese Erfahrungen gemacht zu haben und hoffen auf einen weiteren Besuch im (nicht mehr ganz so) geheimnisvollen Indien. Wir möchten uns bei OBC für die Ermöglichung dieses Projekts und bei CSAT für die gute Betreuung bedanken!
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